Danylo Moskalenko, Analyst für internationale Beziehungen, Praktikant am Zentrum „Resurgam“ im Asien-Pazifik-Bereich
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In den letzten Jahren ging Chinas Strategie der Zusammenarbeit mit den Pazifikstaaten über die rein wirtschaftliche Kooperation hinaus.
Peking betrachtet das amerikanische Konzept der „Inselketten“ als Mittel zur Eindämmung Chinas in der Region und erkennt dessen negative Auswirkungen auf die Entwicklung seiner maritimen Fähigkeiten. Das Land sieht diese Inselstaaten als Chance, seine eigene Macht zu projizieren und gleichzeitig die offensiven und defensiven Kapazitäten des Westens einzudämmen.
China versucht systematisch, die traditionelle Vorherrschung der USA, Australiens und Neuseelands in einem strategisch wichtigen Raum herauszufordern, der seit dem Zweiten Weltkrieg als unbestrittene westliche Einflusssphäre galt. Durch die Verstärkung seiner Präsenz will Peking westliche Mächte verdrängen und deren militärisch-diplomatische Planung für mögliche zukünftige Konflikte erschweren. Chinas moderne Strategie im Pazifik ist umfassend und schließt Sicherheit, Infrastruktur, maritime Zusammenarbeit, diplomatischen Einfluss, Zugang zu Ressourcen, logistische Unterstützung und die Kontrolle des Seeraums ein.
Im Rahmen seiner „Blauer-Drache“-Strategie im Indopazifik strebt China eine Abkehr von seiner bisherigen Ausrichtung auf das Festland an und konzentriert sich stattdessen auf die Vorherrschaft in den angrenzenden Seegebieten – dem Ostchinesischen Meer, dem Südchinesischen Meer und dem Indischen Ozean. Um seine östlichen Seegrenzen zu sichern und die Taiwanstraße zu isolieren, versucht China, die zweite und dritte Inselkette zu erreichen und so die Kontrolle über wichtige See- und Luftkorridore zu erlangen. Ein wichtiger Aspekt bei der Umsetzung dieser Strategie ist der Ausbau der strategischen Zusammenarbeit mit den Pazifikstaaten, insbesondere im Infrastrukturbereich und im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“.
Ein zentrales Instrument zur Erreichung dieser Ziele ist der Ausbau von Infrastruktur mit doppelter Nutzung. China baut und modernisiert aktiv Häfen, die sowohl Frachtschiffe als auch Militärschiffe aufnehmen können. Das bemerkenswerteste Beispiel hierfür ist der Pier von Luganville in Vanuatu. Er bietet nicht nur Platz für große Frachtschiffe, sondern ermöglicht auch das Anlegen chinesischer Militärschiffe.
Peking nutzt auch die Fischereiinfrastruktur, um sich an strategischen Punkten im Ozean zu etablieren. So unterzeichnete beispielsweise ein chinesisches Unternehmen 2020 ein Abkommen zum Bau eines multifunktionalen Fischereiindustrieparks auf der Insel Daru (Papua-Neuguinea). Die Insel liegt direkt in der Torres-Straße, einem wichtigen Verteidigungsknotenpunkt für Australien, der den Pazifik und den Indischen Ozean verbindet. Diese Anlage kann als Deckmantel für die Aktionen der chinesischen „Seepolizei“ und den Einsatz von Grauzonentaktiken zur Kontrolle des Territoriums dienen.
China finanziert außerdem Flughafenmodernisierungsprojekte in Mikronesien , Tonga , Samoa , Kiribati usw. Die Flughafenmodernisierungen umfassen Terminals und Telekommunikation, wodurch Chinas Aufklärungs- und Führungsfähigkeiten verbessert werden und die Datenerfassung sowie potenziell die Koordinierung von Marine- und Fischereioperationen ermöglicht werden.
China arbeitet auch am Aufbau einer digitalen Infrastruktur. Huawei, ein staatliches Unternehmen, das erhebliche Subventionen erhält und enge Verbindungen zum chinesischen Militär und den Sicherheitskräften unterhält, hat zahlreiche Projekte realisiert , darunter integrierte Regierungsinformationssysteme, Unterseekabel und Rechenzentren. Solche Initiativen genießen jedoch Misstrauen und werden oft als Mittel zur Kontrolle der digitalen Infrastruktur betrachtet. Beispielsweise wies ein von Huawei 2018 für Papua-Neuguinea errichtetes Rechenzentrum Cybersicherheitsprobleme auf, die zum Abfluss von Regierungsdaten führten. Mitarbeiter des Unternehmens wurden zudem beschuldigt , Verbindungen zu chinesischen Geheimdiensten und dem Militär zu unterhalten. Gemäß dem chinesischen Nationalen Nachrichtendienstgesetz ist Huawei gesetzlich verpflichtet, mit Regierungsbehörden zusammenzuarbeiten und ihnen auf deren Anfrage technische Unterstützung oder Daten bereitzustellen. Darüber hinaus macht die obligatorische Einrichtung von Parteigliederungen in Unternehmen es dem Unternehmen faktisch unmöglich, unabhängig zu agieren und sich den Forderungen der Kommunistischen Partei Chinas zu widersetzen. Obwohl Huawei selbst jegliche staatliche Einmischung in seine Geschäfte kategorisch bestreitet , haben Bedenken hinsichtlich seiner Verbindungen zur Regierung und möglicher Spionage sogar eine Reihe europäischer Länder dazu gezwungen , den Einsatz seiner Ausrüstung in kritischen 5G-Netzen einzuschränken oder vollständig zu verbieten.
China ist auch an einigen der weltweit größten Tiefsee-Mineralvorkommen im Pazifik interessiert. Das Land verfügt über die größte zivile Vermessungsflotte der Welt, die regelmäßig Untersuchungen auf hoher See durchführt. Im Frühjahr 2025 erhielt China Minmetals als erstes chinesisches Unternehmen von der Internationalen Meeresbodenbehörde die Genehmigung zur Durchführung von Meeresbodenerkundungstests im Pazifik. Peking arbeitet zudem mit Kiribati und den Cookinseln zusammen , um Möglichkeiten zur Tiefsee-Mineralexploration zu erkunden. Diese Bemühungen sind Teil der chinesischen Ressourcenstrategie, den Zugang zu kritischen Mineralien (wie Nickel und Kobalt) zu sichern, die für die Energiewende und die technologische Entwicklung des Landes unerlässlich sind.
China gewinnt zunehmend Kontrolle über die Gewässer des Pazifiks und sichert sich damit einen strategischen Vorteil in der Region. Dies geschieht vor dem Hintergrund der Umsetzung der Strategie des „Transparenten Ozeans“, die die kontinuierliche Echtzeitüberwachung des Ozeans durch ein fünfstufiges Sensornetzwerk vorsieht. Obwohl diese Bemühungen formell zivilen Zwecken der Unterwasserraum- und Umweltforschung dienen, birgt diese Expansion der Volksrepublik China erhebliche militärische Risiken für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in der Region. Dieses „unsichtbare Netzwerk“ sammelt und kombiniert Informationen von Weltraumsatelliten, Oberflächenbojen und Unterwasserfahrzeugen in einer zentralen Kommandozentrale zur schnellen Zielerfassung. Der Zugang zum Meeresboden und zur Infrastruktur im Pazifik trägt zur Umsetzung dieser Strategie bei und stärkt Pekings Position in der Region.
Welche Hauptmechanismen dienen der Umsetzung chinesischer Interessen in der Region?
In erster Linie geht es um Investitionen. China ist der zweitgrößte Geber von Entwicklungshilfe für den Pazifikraum (rund 4,8 Milliarden US-Dollar zwischen 2008 und 2023). Australien ist mit 21,1 Milliarden US-Dollar der größte Geber. Obwohl die aktuellen Fördermittel noch unter dem Niveau der 2010er-Jahre liegen, hat sich der Schwerpunkt von schuldenfinanzierter Infrastruktur hin zu gezielterer Hilfe in Form von Zuschüssen und Bürgerbeteiligung verlagert.
Das wichtigste Instrument für chinesische Investitionen in der Region ist die Seidenstraßeninitiative. Im Rahmen dieses Programms erhalten die Pazifikstaaten Zuschüsse, zinsgünstige Kredite von staatlichen Banken wie der Export-Import-Bank Chinas sowie kommerzielle Kredite von privaten chinesischen Banken. Im Jahr 2024 verzeichnete die Pazifikregion Wachstum der Zahl der chinesischen Bauaufträge im Vergleich zum Vorjahr um 228 Prozent.
Ein Beispiel solcher Investitionen ist eine Abmachung, die Nauru im Sommer 2025 mit einem chinesischen Staatsunternehmen zur Entwicklung erneuerbarer Energien, Umweltsysteme und maritimer Infrastruktur abschloss. Ebenfalls im November desselben Jahres unterzeichneten China und fünf pazifische Inselstaaten ein historisches Rahmenabkommen zur Vertiefung ihrer Wirtschaftspartnerschaft. Ziel war es, den Handel auszuweiten, Investitionen anzukurbeln, die Landwirtschaft zu modernisieren und im Industriesektor zusammenzuarbeiten. Dieser Ansatz markiert einen Wandel von fragmentierter Entwicklungshilfe hin zu institutioneller Kooperation zwischen den Ländern. Allerdings geht eine solche Zusammenarbeit häufig mit einer Abhängigkeit der Länder von ihren Schulden einher.
Eines der ambitioniertesten Abkommen war das zwischen China und den Cookinseln. Es umfasst die Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Infrastruktur, Klimaresilienz, Kulturaustausch, Meeresbodenexploration und Fördermittel. Da die Cookinseln ein selbstverwaltetes Gebiet in freier Assoziierung mit Neuseeland sind, verändert diese umfassende Kooperation mit China das traditionelle Machtgleichgewicht in der Region.
Der Nachteil chinesischer Investitionen besteht im Risiko von Schuldenrückzahlungsschwierigkeiten, z.B. ist Tonga davon schwer getroffen . Das Land ist hoch verschuldet bei China und tilgt noch immer Baukredite, die es vor zwei Jahrzehnten aufgenommen hat. Die Rückzahlungen chinesischer Kredite machen etwa 48 % der tongaischen Auslandsschulden aus. Solche „Schuldenfallen“ führen dazu, dass Kreditnehmer chinesischer Kredite oft gezwungen sind, ihre Infrastruktur als Sicherheit zu verpfänden, um die Schulden zu begleichen. So pachtete China beispielsweise 2017 den internationalen Hafen von Hambantota in Sri Lanka für 99 Jahre, nachdem das Land Schwierigkeiten hatte, seine Schulden zu begleichen.
Die strategisch bedeutendste für Peking und zugleich bedrohlichste für den westlichen Einfluss in der Region ist die Sicherheitskooperation zwischen der Volksrepublik China und den Pazifikstaaten. Der 2022 geschlossene Sicherheitspakt zwischen den Salomonen und China hat insbesondere Australien, Neuseeland und den USA Sorgen bereitet, da die Errichtung eines chinesischen Militärstützpunkts auf dem Territorium des Landes befürchtet wird. Obwohl der Vertrag offiziell die Zusammenarbeit Chinas mit Honiara bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, dem Schutz der Bevölkerung, der Bereitstellung von Hilfsleistungen, der Bekämpfung von Naturkatastrophen und der Gewährleistung der nationalen Sicherheit vorsieht, wurde der vollständige Vertragstext noch nicht veröffentlicht. Es handelt sich um das erste bekannte bilaterale Sicherheitsabkommen zwischen China und einem Land im Pazifik, das den Weg für ähnliche Abkommen mit anderen Pazifikstaaten ebnet. Darüber hinaus unterzeichneten die Länder im Rahmen des Übergangs zu einer „umfassenden strategischen Partnerschaft“ ein Abkommen über die Zusammenarbeit der Polizei, was den chinesischen Einfluss auf die inneren Angelegenheiten der Salomonen verstärkt.
Chinas wachsender Einfluss in der Region schwächt auch den Einfluss traditioneller Akteure. So hat Vanuatu beispielsweise ein 500-Millionen-Dollar-Abkommen mit Australien zur Finanzierung von Klima-, Wirtschafts- und Sicherheitsprojekten gestoppt. Stattdessen plant das Land die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Polizeiarbeit, die Chinas Polizeihilfsprogramme in Vanuatu festigen soll. Zudem beabsichtigt das Land, ausländische Berater aus Regierungsgebäuden zu verweisen und damit seine Souveränität zu betonen, was den Einfluss Australiens und Neuseelands im Land verringert.
Chinas wirtschaftliches und sicherheitspolitisches Engagement in den Pazifikstaaten gewinnt an Dynamik, was die Staaten der Region dazu veranlasst, Pekings Position zunehmend in ihre eigene Innen- und Außenpolitik einzubeziehen und gleichzeitig die Führungsrolle Australiens und Neuseelands in ihren Beziehungen zu diesen Staaten zu untergraben.
China hat in den letzten Jahren seine diplomatische Präsenz in der Region deutlich ausgebaut und Taiwan diplomatisch isoliert. 2019 nahmen die Salomonen und Kiribati , 2024 folgte Nauru, diplomatische Beziehungen zu China auf. Dadurch sank die Zahl der Länder, die die Republik China auf Taiwan anerkennen, von 15 auf 12. Derzeit unterhalten nur noch drei pazifische Staaten – Tuvalu, Palau und die Marshallinseln – diplomatische Beziehungen zur Republik China.
Die Volksrepublik China verfügt über eine deutlich größere Wirtschaftsmacht als Taiwan, was immer mehr Länder dazu zwingt, sich auf die Seite Pekings zu stellen. Zudem zeichnet sich die Hilfe Festlandchinas durch fehlende politische Vorabverpflichtungen aus und erfordert keine Einhaltung demokratischer Standards. Ein markantes Beispiel für Chinas wachsenden diplomatischen Einfluss war das Pazifikinselforum (PIF) in den Jahren 2024 und 2025. Beim PIF-Gipfel 2024 in Tonga versuchten China und die Salomonen, Taiwans Teilnahme zu verhindern und erreichten erfolgreich, dass Taiwan aus dem Gipfelkommuniqué gestrichen wurde. Beim Gipfel 2025, der von den Salomonen ausgerichtet wurde, blockierte dieses Land unter Druck aus Peking die Teilnahme der Vereinigten Staaten und Taiwans. Die Volksrepublik China selbst war ebenfalls nicht anwesend, doch ihre Hauptaufgabe bestand darin, die Republik China, die zuvor an diesem Treffen teilgenommen hatte, auszuschließen.
Trotz Chinas aktivem Engagement in der Region behaupten die traditionellen Einflusszentren (Australien, die USA) weiterhin ihre Positionen, und die Pazifikstaaten sind vor einem übermäßigen chinesischen Einfluss gewarnt.
Der fidschianische Premierminister Stephen Rabuka hat sich gegen einen chinesischen Militärstützpunkt im Pazifik ausgesprochen. Im September 2025 unterzeichneten Australien und Papua-Neuguinea ein Sicherheitsabkommen, das die Länder zur gegenseitigen Verteidigung gegen bewaffnete Angriffe verpflichtet und in Peking Besorgnis auslöste. Angesichts der Kürzungen der US-Hilfsprogramme investierte Australien 2025 zudem drei Viertel seiner gesamten Entwicklungshilfe (rund vier Milliarden US-Dollar) in den Pazifikraum – den höchsten Wert seit 40 Jahren.
Die USA unterzeichneten 2023 auch ein Verteidigungs- und maritimes Kooperationsabkommen mit Papua-Neuguinea und im selben Jahr einen Pakt, der dem US-Militär “ungehinderten” Zugang zu seinen Stützpunkten gewährte. Bereits 2020 schlossen die USA ein Verteidigungs- und Sicherheitsabkommen mit Fidschi ab. Dank der Freihandelsassoziationen (COFA ) mit Palau, den Marshallinseln und den Föderierten Staaten von Mikronesien, die den USA die volle Verantwortung für die Verteidigung und Sicherheit der jeweiligen Länder übertragen, behält Washington zudem eine dominante Position im Nordpazifik.
Die großangelegte Initiative „Blue Pacific Partners“, die 2022 von den USA, Australien, Japan, Neuseeland und Großbritannien ins Leben gerufen wurde , zielt darauf ab, ein konstruktives, transparentes und effektives Entwicklungssystem für die Pazifikinseln zu schaffen und deren wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen zu stärken. China hingegen sieht in dieser Initiative ein Mittel zur Eindämmung Pekings in der Region und wirft ihr antichinesische Ressentiments vor.
Die Pazifikstaaten selbst verfolgen ebenfalls souveräne Politik und widersetzen sich dem übermächtigen Einfluss Chinas. Während einer Reise des chinesischen Außenministers Wang Yi im Jahr 2022 lehnten acht Länder der Region den von Peking vorgeschlagenen regionalen Sicherheitsvertrag ab, der die politische Landschaft im Pazifik grundlegend verändert hätte. Darüber hinaus unterstützten die pazifischen Staats- und Regierungschefs nach dem Abschluss des Pazifikinselforums auf den Salomonen im Jahr 2025 Taiwans Recht auf Teilnahme an dem Forum, trotz Chinas Beharren auf dem Ausschluss Taiwans von regionalen Treffen.
Obwohl China noch kein stabiles System von Beziehungen zu den Pazifikstaaten unterhält und seinen sicherheitspolitischen Einfluss noch nicht etabliert hat, weitet das Land seine Aktivitäten in der Region aktiv aus und verdrängt dabei teilweise traditionelle regionale Akteure. Peking investiert massiv in Infrastruktur mit doppeltem Verwendungszweck, sichert sich eine dominante Position bei der Exploration und Erschließung von Bodenschätzen am Meeresboden und baut systematisch die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den Ländern der Region aus. Dadurch schwächt es die Position des Westens im Pazifik und sichert sich die notwendige Infrastruktur und die erforderlichen Kapazitäten für den Fall eines Konflikts vor der chinesischen Küste. Chinas wirtschaftliche Stärke und das Fehlen der bisherigen Standards und Bedingungen für eine Zusammenarbeit, wie etwa Demokratisierung und Transparenz, bewegen die Pazifikstaaten zunehmend dazu, enger mit der Volksrepublik China zusammenzuarbeiten, insbesondere vor dem Hintergrund des Rückgangs der globalen Präsenz der Vereinigten Staaten.
Chinas Position in der Region wird insbesondere durch die Reduzierung des amerikanischen USAID-Programms gestärkt, was sich negativ auf die humanitäre Lage in der Region auswirkt , vor allem im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels. Dieser Schritt untergräbt das Vertrauen der pazifischen Partner in die Vereinigten Staaten und zwingt sie, nach alternativen Finanzierungsquellen zu suchen, die China bereitstellen kann. In den Augen der Anrainerstaaten des Ozeans erscheint Peking bereits jetzt als ein verlässlicherer und beständigerer Partner.
Doch etablierte regionale Akteure wie die USA und Australien bleiben stark und konkurrieren aktiv mit China um Einfluss. Ihnen fehlt es jedoch an Kohärenz und einer klaren, langfristigen Strategie in der Region. Die US-Position, die NATO-Aktivitäten auf Auslandseinsätze zu beschränken und sich stärker auf die Belange der eigenen Mitglieder zu konzentrieren, behindert insbesondere die Bemühungen, dem chinesischen Einfluss in der Region entgegenzuwirken. Die USA üben Druck auf ihre Verbündeten aus, die vier offiziellen NATO-Partner im Indopazifik – Australien, Neuseeland, Japan und Südkorea – nicht zu den formellen Treffen des NATO-Gipfels im Juli in Ankara einzuladen. Der Rückzug der USA aus dem multilateralen Engagement im Pazifik lässt ihre Partner in der Region angesichts der chinesischen Expansion faktisch allein.
Für die Ukraine ist die Stärkung Chinas in der Region äußerst unerwünscht, da Russlands wichtigster verdeckter Verbündeter dadurch seine Position in der Konfrontation mit dem Westen festigt und die Aufmerksamkeit der USA und potenzieller Partner der Ukraine in der Region auf sich zieht. Dies zwingt diese, zusätzliche Ressourcen bereitzustellen, um die Volksrepublik China „an ihrer Seite“ einzudämmen. Zudem gibt Chinas Stärkung im Pazifik dem Land das Selbstvertrauen, einen bewaffneten Konflikt in der Taiwanstraße zu beginnen. Sollte es zu einer solchen Entwicklung kommen, würden Chinas Kapazitäten in der Region die Verteidigungskapazitäten der USA und ihrer Verbündeten erschöpfen, was den Konflikt verlängern und die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft fast vollständig auf die Ereignisse in der Region lenken würde. Diese Region ist für die USA strategisch und wirtschaftlich weitaus bedeutsamer als Osteuropa. Dies würde die USA zwingen, all ihre Streitkräfte in den Pazifikraum zu verlegen, was sowohl Europa, das weiterhin auf die amerikanische Präsenz auf seinem Territorium angewiesen ist, als auch die Ukraine, die amerikanische Militärausrüstung indirekt über die Europäer erhält, schwächen würde. Für Russland ist die Fokussierung auf den Pazifischen Ozean von Vorteil, da sie die Partner der Ukraine und damit deren Unterstützung schwächt und außerdem zu einem geringeren Interesse am russisch-ukrainischen Krieg und dessen Bedeutung führt. Dies wiederum ermutigt die Partner der Ukraine, eine möglichst schnelle Beilegung des Kriegs anzustreben, was den ukrainischen Interessen zuwiderlaufen könnte.
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